Sobald die Tage wieder kürzer werden und die ersten Nebel die Bergwiesen benetzen, zieht es mich zur Gamsjagd in meine geliebten Berge.

Hier muss zunächst die Schutzhütte wieder auf Vordermann gebracht werden und ein kleiner Vorrat an Lebensmittel und Getränken gebunkert werden. Immer wieder zieht es mich neben dem notwendigen Hüttenputz, zum Abglasen der Almflächen und Graslahner vor die Hütte.

Bei hohen Temperaturen ist das tagaktive Gamswild hauptsächlich morgens und abends aktiv. An einem Augustmorgen habe ich mich bereits vor Sonnenaufgang zu einem Sitz an einer steilen Felsrinne aufgemacht. Während des Aufstiegs glase ich immer wieder den lichten Bergwald mit seinen bizarren Felsformationen ab. Hinter jeder Felsnase kann Wild in Anblick kommen. Neben Gamswild, kann hier in den Sommermonaten auch jederzeit Rotwild und Rehwild vorkommen.

Als ich am Bodensitz angekommen bin, ist der Himmel wolkenverhangen, und es kündigen sich erste Schauer an. Ich ziehe die Kapuze ins Gesicht und leuchte die Gräben und Rinnen mit meinem Leica ab. Ständig gaukeln im Wind Äste an wechselndes Wild vor. Eine gute Optik ist bei der Bergjagd unabdingbar, da die Entfernungen zum Ansprechen und Schießen die 200 Meter oft übersteigt.

Gerade als ich es mir in meinem Sitz aufgrund des einsetzenden Regens etwas gemütlicher machen wollte, erkenne ich eine Bewegung unter einer tief beasteten Buche am Rande einer steilen Felsrinne. Drei junge Gamsböcke versuchen unter einer tief beasteten Buche Schutz vor dem einsetzenden Regen zu finden.

Nach gründlicher Ansprache entschließe ich mich den schwächsten der drei jungen Böcke zu erlegen. Der Handspanner meiner Krieghoff gleitet lautlos nach vorne. Als das Absehen das Blatt ruhig erfasst hat, bricht der Schuss. Der Getroffene sackt leblos zusammen und bleibt ca. 140 Meter von mir entfernt in der steilen Rinne liegen.  Na bravo denk ich mir, der hätte mir schon etwas entgegen kommen können.

Man erlebt es bei der Bergjagd immer wieder, dass getroffene Stücke nach ihrer letzten Flucht sehr schwer zu bergen sind. Darum muss man sich vor der Schussabgabe gut überlegen, ob man das getroffene Stück auch ohne weiteres bergen kann. In meinem Fall hätte mir ein Herunterrollen die Bergung erleichtert.

Als die obligatorische Zigarettenlänge vorüber ist, mache ich mich auf den steilen Anstieg durch loses Geröll. Der zunächst leichte Regen wird immer stärker und macht das unterfangen nicht gerade angenehmer. Am Stück angekommen beginne ich zügig mit der roten Arbeit. Nachdem ich das Gamsböcklein versorgt habe, ziehe ich diesen das steilste Stück die Rinne hinab bevor ich ihn sorgfältig in meinem Rucksack verstaue.

Nach dem Abstieg wartet bereits ein guter Jagdfreund mit heißem Kaffee und einem ausgiebigen Frühstück.

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Fotos: Stefan Stadlmayr

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