Für leidenschaftliche Rehwildjäger wartet der Sommer für viele mit dem Höhepunkt des Jagdjahres auf: mit der Blattzeit. Die Zeit, in der die meisten Schmalrehe und Ricken beschlagen sind und Platzböcke auch außerhalb ihrer angestammten Territorien nach letzten brunftigen Stücken suchen. Schwache Jährlinge und mehrjährige Abschussböcke wurden schon zu Beginn der Jagdzeit intensiv bejagt. Nun gilt es den reifen, den urigen und heimlichen, altbekannten, aber auch unerwartet auftauchenden – den Erntebock – zu bejagen.

Wenn nach heißen Tagen die Luft abends abkühlt oder ein lauer Morgen die Nacht verdrängt, warten tolle Jagderlebnisse im sommerlichen Revier. Ob hinter dem Tarnschirm, vom Hochsitz oder pirschend mit dem Wild auf Augenhöhe – beherrscht man sein Handwerk, bietet die Blattjagd höchsten Jagdgenuss. Es ist eine sehr aktive Form des Jagens, blatten bedeutet Kommunikation, ja Interaktion mit dem Bock. Hier lauert der Jäger nicht nur auf, hier nimmt er teil. Hier ist er dem Wild so nah wie sonst nie.

Die richtige Ausrüstung spielt auch bei der Blattjagd eine nicht unerhebliche Rolle. Ein schweres Nachtglas braucht man für die Blattjagd nicht unbedingt. Ein leichtes Pirschglas wie das Leica Geovid 10×42 oder das Leica Ultravid 8×32 HD-Plus zum Sondieren der Lage reicht im Normalfall aus. Das Ansprechen muss ohnehin schnell geschehen und erfolgt meist schon durchs Zielfernrohr. Empfehlenswert ist eine Optik mit kleiner Grundvergrößerung und variablem Verstellbereich: Mit dem Fortis 6 2.5-15x56i oder dem Magnus 1,8-12×50 ist man hier bestens bedient. Der Schuss erfolgt selten auf große Distanz, da der suchende Bock aber viel in Bewegung ist, verliert man mit hoher Vergrößerung und geringem Sehfeld schnell den Überblick. Die Wahl der Waffe sollte so erfolgen, dass man diese blind bedienen kann. Ob Kombinierte, Repetierer, Kipplaufbüchse oder Halbautomat, wenn der ersehnte Recke vor einem steht, sollte man nicht erst überlegen müssen, wo sich die Sicherung befindet oder ob der Abzug über einen Doppelzüngelstecher oder doch über einen Rückstecher verfügt.

Der zustehende Bock sucht mit allen Sinnen, aufmerksam beäugt er die Umgebung, wo sich denn nun die ersehnte rufende Ricke befindet. Ruckhafte Bewegungen sollten deshalb vermieden werden, das Gewehr bereits griffbereit sein. Man sollte Handschuhe tragen und wenn nötig einen Gesichtsschleier, denn die hellen Flecken von Gesicht und Händen sind fürdie meisten Böcke alarmierend. Lange Ärmel sind Pflicht, und Jägern mit lichtem Haupthaar sei dringend eine Kopfbedeckung empfohlen. Insektenspray hilft, um nicht durch auffällige Abwehrbewegungen anwechselndes Wild zu vergrämen. Je weniger Deckung die Ansitzeinrichtung bietet, umso mehr muss der Jäger sich selbst tarnen. Für den Pirschjäger, der sich nur mit dem Zielstock hinter natürlicher Deckung bewegt, ist Camouflage sinnvoll, um optisch mit der Umgebung zu verschmelzen. Wie bei jeder anderen Jagdart auch, ist selbstverständlich auch der Wind zu beachten.

Zum Abschluss noch ein wichtiger Tipp, vielleicht der wichtigste von allen:
Reife Böcke kann es natürlich nur in den Revieren geben, in denen man auch mal einen jungen laufen lässt.

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