Revierpächter Oliver Dorn hält es mit der Bockjagd traditionell. Und so freut er sich mit seiner Frau Ilka und seinen beiden Söhnen auf erlebnisreiche Tage im heimischen Revier bei frühlingshaftem Wetter.

UNERREICHBARE WALDREHE UND EIN HAPPY END

Seit jeher fiebert die Jägerschaft dem Aufgang der Bockjagd entgegen. Egal ob 1. oder 16. Mai. – Böcke sind längst bestätigt, Einladungen ausgesprochen und die Ausrüstung liegt parat. Einige Länder und Regionen beginnen auch schon früher und bejagen den Bock schon im Bast. Ich gebe zu, das kommt für mich nicht in Frage. Nicht wegen der Trophäe, sondern einfach, weil ich am diesem letzten Überbleibsel an Traditionen in unserem Leben gerne festhalte.

Unser Revier liegt im Rhein-Hunsrück-Kreis und ist ebenso beschaulich wie (auch Corona bedingt) an den Wochenenden überlaufen. Erholungsuchende und Freizeitsportler bevölkern Wege und Pfade in Feld und Wald von der frühen Dämmerung bis in die tiefen Abendstunden hinein. Zu allem Übel machen Gemeinde und Forst Druck, die Neuanpflanzungen vor übermäßigem Verbiss zu schützen. Das alles macht es nicht einfacher, unsere Passion auszuüben, trübt aber unsere Leidenschaft für die Jagd nicht. Und so treffen wir mit Mann und Maus am Nachmittag des 30. April in unserer Jagdhütte ein und heizen erstmal den Ofen an. Es ist noch früh, so bleibt Zeit, einige Malbäume zu kontrollieren und die Umgebung nach Trittsiegeln zu untersuchen – einige, kleinere Überläufertrupps waren von den Wildkameras aufgezeichnet worden. Später nachts wollen wir die Felder mit der Calonox Wärmebildkamera ableuchten, um ggfs. Schwarzwild auf den Feldern aufzuspüren.

Aber zunächst wollen wir uns an zwei Stellen ansetzen, die wir mit unserem Förster abgesprochen hatten – hier wurde angepflanzt ohne Schutzgatter oder die üblichen Kunststoffhülsen. Wir sehen es also als partnerschaftliche Gegenleistung an, dort verstärkt zu jagen. Ausgerüstet mit Waffe, Fernglas und Wärmebildkamera setze ich mich auf einen Hochsitz, an dem ein Wanderweg vorbeiführt. Hier blicke ich in einiger Entfernung auf ein Brombeer-Meer, in dem unzählige zarte Setzlinge stecken. Rechts und dahinter Buchenhochwald, der übersäht ist mit Überbleibseln des letzten Einschlags. Fernblick adé. Da hilft nur die bewährte, mittlerweile unverzichtbare Wärmebildkamera, die uns schon unschätzbare Dienste geleistet hat. Seit wir uns mit dieser neuen Technik angefreundet haben, nutzen wir sie erfolgreich, um zu zweit auf den Feldern Schwarzwild zu bejagen, aber auch Wild aufzuspüren, das sich in der Dichte des Waldes gut getarnt aufhält. Das weite Tal, das in einem Revierteil liegt misst rund 2000 Meter von einer Seite zur anderen. Wir hatten vor einiger Zeit extra einen Hochsitz so gestellt, dass wir die bekannten Wechsel an den jeweiligen Waldrändern mit der Wärmebildkamera wunderbar beobachten können. Vor dem Aufgang der Bock- und Schmalrehjagd konnten wir dort dadurch schon beurteilen, wo sich Rehwild in Masse aufhält oder wo die Bestände ein verträgliches und ausgeglichenes Maß aufweisen. Diese Gedanken im Kopf leuchte ich immer wieder das dichte Unterholz im Buchenwald ab, um zu sehen ob und was sich dort tut. Mittlerweile ist es nach 20 Uhr und das Fernglas kommt an seine Grenzen in der Tiefe des Waldes – noch ist das Rehwild grau und etwas zottelig und daher schwer auszumachen.

Das Rehwild tritt hier sehr spät aus durch den stark frequentierten Wanderweg und so erkenne ich die ersten Umrisse mithilfe der Wärmebildkamera in der tiefen Dämmerung. Aber ich kann die Stücke, die jetzt austreten, um von den Brombeeren zu äsen, gut ansprechen, was mir für den Morgenansitz von Vorteil sein sollte.

Um 04:15 Uhr tönt der Handy-Wecker und wir machen uns etwas schlaftrunken fertig. Auf dem Weg zum Hochsitz leuchte ich die Umgebung und die Anpflanzung mit der Wärmebildkamera ab. Wenig später sitze ich, vom Wild unbemerkt. Noch ist es dunkel – so nutze ich die Wärmebildkamera weiter. Vor mir äsen zwei beschlagene Ricken, ein Schmalreh und zwei Böcke. Ein Blick durchs Fernglas beweist mir wieder wie praktisch die Wärmebildtechnik für die Jagd ist. Es wird langsame heller und das Wild bewegt sich zielsicher in Richtung des Buchenwaldes. Schon sind die ersten Stücke in der Dichte des Unterholzes verschwunden. Eine Ricke und ein schwaches, junges Böckchen verweilen noch kurz am Waldrand. Längst liegt die Waffe im Anschlag. Das Geovid hatte in der Dämmerung 105 Meter zu den beiden Stücken gemessen. Jetzt zieht auch die Ricke in den Bestand. Das Böckchen steht breit, das Haupt ist oben. Der gedämpfte Schuss peitscht kurz durch die Stille und der Maibock liegt. Auch meine Frau hatte Anblick und Waidmannsheil an diesem Morgen und so treffen wir uns, frische Brötchen dabei, an der Hütte, um das Wild zu versorgen und diesen erfolgreichen Morgenansitz mit einem kräftigen Frühstück zu belohnen.

Ausrüstungskasten:

Entfernungsmesser-Fernglas: Leica Geovid 3200.COM

Zielfernrohr: Leica Magnus 1.8–12 x 50 i

Wärmebildkamera: Leica Calonox View

Waffe: Steyr Arms Monobloc im Kaliber .308

Jacke: Deerhunter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.