Ich heiße Ross Murphy, bin 62 Jahre alt und komme aus den USA. Als Naturfreund und Jäger war ich an vielen Stellen der Welt unterwegs. Mein letzte große Reise führte mich nach Farso East in Kamerun.

Kamerun ist ein Land im westlichen Zentralafrika und grenzt unter anderem an Nigeria, die Republik Kongo und den Atlantischen Ozean. Die Hauptstadt des gut 20,5 Millionen Einwohner fassenden Staates ist Yaoundé, eine weitere Millionenstadt ist Douala. Kamerun ist eine Art „Afrika im Kleinen“: Es gibt quasi alles, von trockenen Savannen hin zu immergrünen Regenwäldern, flache Ebenen bis hin zu hohen Bergen. Das Klima ist tropisch mit niederschlagsreichen Regenperioden und hohen Temperaturen, die in den Höhenlagen gemildert sind. Im Norden des Landes, beim Tschadsee, ist das Klima trocken.

An Ausrüstung hatte ich diesesmal das neue Leica Geovid 10 x 42 sowie meinen Rangemaster 1600 dabei, eine kleine Kamera, Bücher sowie mein Schreibzeug. Was man in Kamerun immer benötigt: Kleingeld, einen breitkrempigen Hut, Sonnenöl und Mückenschutz. Mit Kaffee und Kaugummi machte ich mich bei dem Personal und bei den Kindern beliebt, was mir immer am Herzen lag. Ich mag nur eine nachhaltige, faire Nutzung der Natur unter Einbeziehung der einheimischen Bevölkerung.

Für uns Jäger ist es ein Traum dort: Laut einer Studie von Bernard Foahom (2001) leben in Kamerun mindestens 542 verschiedene Fischarten, über 15.000 Schmetterlings- und mindestens 900 Vogelarten sowie ca. 280 Säugetiere (einschließlich der größten und der kleinsten Säugetierart). Jagdbares Wild ist in Kamerun u. a. der Wald- und Rotbüffel, Roan und natürlich die Riesenelenantilope, im englisch Giant Eland (Taurotragus derbianus) genannt.

Sie zu erlegen ist der Traum eines jeden Waidmanns. Sie gleicht in ihrem Körperbau mit dem massiven Rumpf und den schlanken Gliedmaßen dem gewöhnlichen Eland, mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 2,2 bis 2,0 Metern und bis zu 1.000 Kilogramm. Aber die Trophäe ist stärker, wesentlich stärker.

Das Fell dieses herrlichen Tieres ist rötlich-braun gefärbt, mit einigen weißen Querstreifen am Rumpf. Am Nacken und am Rücken erstreckt sich eine kurze Mähne. Das Haupt ist durch einen schwarzen Fleck auf der Nase sowie durch weiße Lippen charakterisiert. Eine behaarte Wamme erstreckt sich im Bereich des Halses und der Brust, diese ist zum Teil schwarz gefärbt und kann sich bis zum Nacken erstrecken. Leicht kann man das männliche Tier erkennen, es ist deutlich massiger und stärker im Körperbau. An dem Gesamteindruck, an Fellbildung und Färbung, an der zurückgesetzten Trophäe sowie am Klacken der Schalen ist eine Alterseinschätzung möglich.

Beide Geschlechter tragen eng gedrehte, gerade Hörner, die bei den Männchen v-förmig auseinanderstehen, an der Basis dicker sind als bei den Weibchen und bis zu 1,2 Meter lang werden können. Die Tragzeit beträgt neun Monate, der Gesamtbestand ist nicht hoch wie bei anderen Arten – z. B. dem Gnu – aber stabil und gesichert.

Sie leben in Herden, die bis zu 40, meist aber acht bis zwölf Tiere umfassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Antilopenarten teilen sich die Herden während der Regenzeit nicht auf, unternehmen je nach Jahreszeit längere Wanderungen, die bis zu 20 oder 30 Kilometer am Tag betragen können. Diese Tiere sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber, gerade bei starker Sonnenstrahlung, ruhen sie im Schatten von Bäumen. Sie sind Pflanzenfresser, die sich vorwiegend von Blättern, Früchten und Gräsern ernähren.

Eland und Bongo zu bejagen sind meiner Meinung nach der Grund, warum man in dieses Land reist. Es war meine zweite Jagd auf den mächtigen Lord Derby Eland. Der PH und sein Sohn waren schon seit Wochen im Camp, betreuten andere Kunden und führten Kontrollgänge durch. Sie hatten einen groben Überblick, wo welche Tiere standen, aber das kann sich täglich ändern.

Nach dem Kontrollschuss meiner Waffe ging es los. Ich trug meine .375 HH immer über der Schulter. Geladen mit 300 grain Nosler Partition war es mit dem Leica eine gute Kombination. Man sollte auf solche Jagden keine zu schweren Waffen mitnehmen, da der Eland ein „wanderer und browser“ ist. Wenn man seine Spur aufgenommen hat, geht es in der Pirsch hinterher. Das kann dauern. Wenn man sich dabei verrät und das Tier hochschreckt, wird es ein langer Tag, denn man braucht Stunden bis man wieder aufschließt. Aber genau das liebe ich an der Jagd. Ein anderer Jäger der kurz vor mir im Camp war, hat sein Stück am Weg geschossen, das hat für mich keinen Reiz.

Am dritten Tag schlossen wir zu einem Eland auf, der ein starkes Horn trug, das man sogar durch die Büsche sah. Die männlichen Stücke werden hier auch „Stiere“ genannt, doch dieser hier war zu jung. Mein PH und ich meinten, ich hole mir einen besseren. So vergingen Stunde und Stunde und Tag um Tag.

Als sich die Jagd zu Ende neigte, hatte ich noch Motivation, aber weniger Kraft, die Hitze und die Anstrengung forderten ihren Tribut. Seit dem kühlen Morgen waren wir heute schon auf den Beinen und seit über fünf Stunden auf der Pirsch. Ich musste kurz zurück ins Camp, denn es war ohnehin fast Mittag und um diese Tageszeit kan man die Chancen als fast aussichtslos bezeichnen.

Wir ließen die Tracker zurück, sie sollten versuchen eine Spur aufzunehmen, die wir ab dem kühleren Nachmittag wieder aufnehmen könnten. Wir waren keine 15 Minuten unterwegs, als uns ein Native nachrannte und sagte, knapp eine Minute nach unserem Weggehen hätten sie einen „starken Burschen“ im Busch gesehen. Wir machten als im Laufschritt kehrt.

Ich sah ihn sofort. Er stand im Schatten. Ein Blick mit dem Leica bestätigte es: Ja, das war auch ein „alter Bursche“, den wollte ich haben. Ich setzte auf meinem Dreibein an, ein Schuss auf 100 Meter und der Eland fiel zu Boden. Das Ende war schnell: Die Natives freuten sich auf sein Fleisch, ich auf die Trophäe. Dennoch fühle ich mich immer schlecht, wenn ich ein Tier gestreckt habe, ich denke das ist auch natürlich, aber so ist die Natur.

Text und Fotos
Dr. Frank B. Metzner, Ross Murphy

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *